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Projekt OE-3000 |Südalpenweg 03 | Nassfeld – Bad Radkersburg

Tage am Trail: 17 
Kilometer 650 von 3000

Highlights:

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Am Weg nach Thörl/Maglern genauer am Kaplinberg kommt mir in einem recht dunklen Waldstück mitten am Forstweg ein Braunbär entgegen. Wir begegnen uns in einer Kurve, der Bär hat seine Schnauze am Boden und nimmt mich erst spät wahr. Er bleibt stehen und bevor ich auch nur irgendwas herausbringe zischt er ins Unterholz ab. Das brechen der Äste ist noch einige Zeit zu hören. Ich kann es nicht glauben und brauche etwas um die Situation einzuordnen. Mein Körper ist mit Adrenalin erfüllt. Mit einer Bärenbegegnung hätte ich hier im Italienisch-österreichischen Grenzgebiet nie im Leben gerechnet. Man schätzt die Bärenpopulation in dem Gebiet auf nur ungefähr 7-10 Tiere. Wenn das meine erste Bärenbegegnung in freier Wildbahn gewäsen wäre, dann bin ich mir nicht sicher wie es mir danach ergangen wäre. Ist doch was ganz anderes so etwas in einem Gebiet zu erleben wo man eigentlich nicht damit rechnet.
Ab diesem Zeitpunkt hab ich mich besonders leise Fortbewegt und meine Kamera griffbereit gehabt, leider ergab sich aber keine weitere Begegnung. Aus nunmehr genau 5 Bärensichtungen seit 2011 konnte ich bisher leider noch keine Aufnahme von einem der Tiere machen, möchte aber trotzdem keine der Begegnungen missen. Jedes Mal ein ganz besonderer Moment.

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Die weiteren Abschnitte durch die Karawanken vorallem im Bereich Mittagskogel, Hochstuhl, Klagenfurter Hütte und Koschuta fand ich landschaftlich besonders reizvoll, leider war der Weiterweg durch den Gratschenitzengraben durch Bauarbeiten an einer Autobahn nicht möglich und somit musste ich wieder absteigen und die Talvariante zum Rosenbachsattel nehmen.
Am Petzten (Feistritzer Spitze) befand ich mich früh Abends das letzte mal am 03er auf über 2100 Meter. Die Wanderung entlang des Hochplateus und am nächsten Tag nach Bleiburg haben ebenfalls einen besonderen Eindruck hinterlassen. Ich liebe es im Abendlicht über der Baumgrenze zu wandern, auf dieser Tour immer allein auf weiter Flur.

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Während in weiten Teilen Österreichs Unwetter wüteten hatte ich im auf meinem weiteren Weg durch das steirische Weinland mit großer Hitze zu tun. Mein Weg führt meist auf Straßen durch die Weinberge, ab und zu unterbricht ein kurzes Waldstück die Asphaltmarschiererei. Über Leutschach, Spielfeld und Mureck geht es nun endgültig flach am Murufer durch schattigen Auwald  nach Bad Radkersburg.

Meine kilometerreichen Tage in Verbindung mit wenig Schatten am Weg hatten zum Resultat, dass ich in Bad Radkersburg mit einem Sonnenstich einen Tag pausiert habe.

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Projekt OE-3000 |Südalpenweg 03 | Bozen – Nassfeld

Tage am Trail: 8
Kilometer: 0- 280/3000

17.06.2016

Endlich ist es soweit, monatelange Planung und Vorbereitung nehmen Form an. Es ist 15:30 ich steige nach einer fast neunstündigen, ereignislosen Zugfahrt auf den Bahnsteig  und folge den Schildern aus dem Bahnhof auf den Vorplatz. Es regnet leicht, daher verzichte ich auf den eigentlich geplanten Stadtrundgang in Bozen  und orientiere mich in nord/östliche Richtung. Da ich schon vom Bahnhof aus die Rittnerhornbahn sehen kann, ist es nicht allzu schwierig den Einstieg in mein Sommerprojekt zu finden. Ich folge flott dem Straßenverlauf und kann kurz darauf auch schon die ersten Markierungstafeln Richtung Oberbozen erkennen.

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Ich folge steilen Asphaltstraßen in die Weinberge oberhalb der Stadt und werfe dabei immer wieder mal einen Blick zurück und beobachte wie diese immer kleiner hinter mir wird. Die Anstiege sind ziemlich steil, Asphalt wechselt sich immer wieder mit kleinerer Fahrwegen und Abkürzungen in den Serpentienen ab. Regen und Sonne wechseln sich stätig ab. Es ist schwül und der mit Essen für ein paar Tage gefüllte Rucksack fühlt sich ungewohnt an. Die Stunden und Tage der Eingwöhnung. Man kennt das bereits. Aus der Distanz erkenne ich die Erdpyramiden von Oberbozen, ein Naturphänomen von dem ich schon zuvor gelesen habe und dass ich unbedingt aus der Nähe betrachten will. Hierbei handelt es sich um von Erosion gebildeten Pyramiden aus Erde und Stein die Zackenförmig in den Himmel ragen. Auf dem Weg nach Oberbozen gibt es immer wieder mal die Möglichkeit auf das Areal in dem sie vorkommen zu Blicken. Sieht schön aus. Im innersten denke ich wie es denn sein muss im Bryce Canyon von Utah zu stehen wo ebenso ähnliche Pyramiden genannt „Hoodoos“ vorkommen nur dort soviele und bereits versteinerte Versionen das sie nicht zu überblicken sind. Ich mache ein paar Aufnahmen, das Wetter wird immer freundlicher und nach sechs Kilometern habe ich Oberbozen erreicht. Ein kleiner netter Ort wie ich finde. Ich tanke meine Wasserflasche auf und setze meine Wanderung fort.

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Ich würde heute gerne noch das Rittner Horn erreichen. Höhenunterschied zu Bozen 2000 Meter. Über schön angelegte und gut markierte Waldwege steige ich immer weiter hinauf vorbei an Hotelanlagen, Gondelstationen und Hochalmen. Je später es wird desto bedrohlicher sieht der Himmel aus. Ein Gewitter liegt in der Luft und kündigt sich mit tiefschwarzen Wolken zu meiner linken an. Ich sehe mich immer wieder nach unterständen um und überlege vielleicht doch das Wetter in einer über den Sommer stillgelegten Liftstation abzuwarten. Doch ich gehe weiter. Im Notfall kann ich immer noch im Rittner Horn Haus auf 2200 Meter nächtigen sollte das Gewitter sich tatsächlich noch entladen. Es weht starker, kalter Wind. Ich setzte meinen Rucksack ab um mir Handschuhe und eine Haube anzuziehen und meine Regenjacke griffbereit zu haben. Aus der Distanz kann ich bereits das Rittnerhorn Haus sehen. Die Wolken wirbeln sich immer höher in die Luft. Die Pferde die auf der Hochalm weiden laufen panisch in alle Himmelsrichtungen. Auch ich nehme meine Beine in die Hand und gebe alles auf den letzten paar hundert Höhenmetern zur Schutzhütte. Es beginnt zu hageln, Ich bin froh die Jacke griffbereit zu haben und ziehe mir sofort die Kapuze über den Kopf. Der Hagel schlägt gegen meinen Körper und fühlt sich an den Beinen an wie 1000 Nadelstiche. Mit dem erreichen der Hütte setzt auch der erste Donner ein. Es regnet und Hageld unaufhaltsam. Ich bin froh erstmal im trockenen zu sein. Mittlerweile ist es 21:00. Die Hüttenwirtin empfängt mich freundlich und zeigt mir die Übernachtungsmöglichkeit. Viel ist zum Glück hier oben noch nicht los und somit schlafe ich gut durch die erste Nacht.

18.06.2016

Es ist 06:00 Uhr ich wache auf, packe meine Sachen zusammen, sodass ich nach dem Frühstück gleich starten kann. Blauer Himmel, fast keine Wolken am Himmel. Erstmals kann ich von hier auf über 2000 Metern Seehöhe einen weit umschweifenden Blick über die Sarntaler Alpen machen. Über ein ewig weites Hochplateau wandere ich in Richtung Latzfonser Kreuz. Die Böden sind auf Grund des andauernden Regens der letzten Tage und der frühsommerlichen Schneeschmelze extrem weich und sumpfig und meine Füße schon bald bis auf die Haut durchnäßt. Kurz vor dem Latzfonser Kreuz treffe ich auf eine Gruppe aus gut 100 Walfahrern die sich im Gänsemarsch Stoßgebete betend über den schmalen trail schlängeln.
Unterhalb der Kapelle halte ich eine kurze Kaffeepause ein, der Kocher ist schnell ausgepackt und wenige Minuten später schlürfe ich die heiße brühe Instantkaffee meines Vertrauens.
Ein Bergbauer müht sich den Weg im Aufstieg an mir vorbei, ich frage ihn ob er zur Messe geht. Er bejaht und sagt sowas wie „jo owa heier gibt´s koa Heu“, ich nicke und wünsche ihm einen guten weitermarsch. Mein Weg geht weiter nach Brixen. Mittlerweile ist der Himmel wieder voller dunkler riesenwolken, es ist schwül und ich bin mir sicher, dass es nur noch Minuten dauert bis es erneut kracht. Kurz vor Brixen schüttet es wie aus Kübeln und ich teile mir das kleine Vordach einer Kapelle mit einem Mountainbiker der ebenfalls Unterstand sucht. Die Lage scheint sich nicht so schnell zu entspannen, also verpacke ich alles Wasserdicht und krame meine Regenjacke hervor bevor ich mich im  ströhmenden Regen auf den restlichen Weg in den Ort mache.

19.06.2016

Am nächsten Morgen hat sich die Lage wieder einmal entspannt, bei angenhmen Temperaturen begebe ich mich auf den Weiterweg nach St. Vigil. Der Trail aus Brixen verläuft anfangs schön angelegt oberhalb des Ortes in Richtung einer Gondelstation, von dort an geht es über 1000 Höhenmeter in einem im Waldverlaufenden singletrail nach oben. Heute ist es von Anfang an bewölkt und windig. Auf den Ausgesetzteren stellen des Berges sogar richtig kalt. Am Weg zum Würzjoch hinauf beginnt es abermals zu regnen. Ich stelle mich kurz bei einer Almhütte unter um meine Regenjacke anzuziehen und sonst alles Wasserdicht zu verpacken. Leider bin ich kein sehr guter „Schlechtwetter-Wanderer“ in mir kommt dann immer ein schwer zu beschreibender Stress auf vorallem was das Thema Unterkunft angeht. Auf dem Weg nach St. Vigil verliehre ich immer wieder den Weg und wanderer auf steilen sehr hohen Wiesenböden Talwärts. Die letzten paar hundert Höhenmeter nehme ich die Skipiste in den Ort. Wahrscheinlich liegt es am Wetter, aber kein Mensch ist auf der Straße und alles sieht irgendwie „zu“ aus. Liegt vielleicht auch noch an der Vorsaison. Aber auch hier finde ich ein plätzchen für die Nacht. Der Wetterbericht für morgen verspricht auf alle Fälle Besserung was mich zuversichtlich stimmt denn die nächste Etappe durch die Pragser Dolomiten sollte ein erstes wahres highlight der Tour werden.

20.06.2016

Ein Blick auf die virtuelle Karte in meinem Smartphone auf die heutige Route verrät mir eine wesentlich lohnendere Tour hinüber zum Pragser Wildsee als die im Führer vorgesehne. Anstatt über den Fahrweg am Talboden verlaufende Route nehme ich die Route über den Piz de Peres. Ist zwar ein wenig weiter und mit mehr Höhenmetern gespickt doch bei stabilem Wetter schwer zu empfehlen. Einmal am Gipfel (2507m)  angekommen wandere ich über wunderschöne Kämme, Hochplateaus, vorbei an vielen Wasserläufen richtung Pragser Wildsee den man bevor es in den längeren Abstieg geht schon von hoch oben erkennen kann. Am See entlang, der eine Touristenattraktion zu seien scheint bzw. Ausgangspunkt für viele Touren in diesem Gebiet ist wimmelt es nur so von Menschen. Es ist bereits nach 16:00 und somit begeben sich alle in die mir entgegengesetzte Richtung, zum Parkplatz oder Hotel. Ich wandere am Ufer entlang bis hin zur anderen Seite und nehme schon bald den längeren Anstieg in Richtung der Seekofel Hütte in Angriff. Irgendwo inmitten vom Aufstieg beginnt es wieder zu Hageln. Ich gehe wiedermal in meine bisher tägliche Prozedur des Um-Aus- und Anziehens der Regenjacke. Bei der Hütte angekommen, überlege ich ob es nicht besser wäre hierzubleiben. Doch ich entschließe mich einfach weiterzugehen. 3 Stunden später finde ich eine geeignete Biwakstelle oberhalb der Dürrensteinhütte und lasse einen langen, wundervollen Wandertag erstmals unter freiem Himmel ausklingen. Es regnet immer wieder leicht und ich schlafe nicht besonders gut.

21.06.2016

Es ist 05:30, ich lasse die Luft aus meiner Unterlagsmatte und bin 20 Minuten später bereits Richtung Dürrensteinhütte unterwegs. Heute wird abermals ein langer Tag denn ich will es bis nach Sexten, über die Drei Zinnen schaffen. Da ich ein „dry-camp“ hatte gehe ich solange bis mir eine Stelle mit Wasserlauf zusagt um dort zu frühstücken. Danach entscheide ich mich wieder für eine spannendere Alternativroute nach Landro anstatt wie vom Führer vorgesehen in die Falsche Richtung hinunter zum Dürrensee und danach hinauf nach Schluderbach auf Straßen zu laufen und so durchwandere ich auf schmalen trails Schluchten und schattige Bergwälder hinunter nach Landro. Hier ist es bereits richtig warm. Anfangs folge ich dem breiten, weiß geschotterten Weg in Richtung der Drei Zinnen. Rechts von mir donnert ein mächtiger Gebirgsbach richtung Tal und es dauert nicht lange bis ich ausschau nach einem schattigen Plätzchen halte um eine Pause einzulegen und mein Equipment nach einer regnerischen Nacht zu trocknen. Ich time meine pausen meist mit 20 Minuten, viel länger braucht es nicht bis Schlafsack und Tarp in der Sonne trocken sind. Auch für eine Erfrischung am kalten Bach ist diese Zeit mehr als ausreichend.

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Bei den Drei Zinnen angekommen nehme ich mir Zeit für ein paar Aufnahmen und mache mich wenig später auf den Weg zur Drei Zinnen Hütte und weiter durch das Fischleintal nach Sexten. In Sexten erwarte ich ein Resupply Packet. Ich weiß nicht genau wie lange das Postamt geöffnet hat und somit habe ich es nicht sonderlich eilig. Sexten wirkt etwas ausgestorben, das Postamt finde ich auf Anhieb auf der Hauptstraße und muss feststellen, dass es bereits geschlossen hat. Ich werfe trotzdem einen Blick bei der verschlossenen Türe hinein und erkenne noch eine Person hinter dem Schalter. Ich klopfe und die freundliche Dame schließt mir die Tür auf und händigt mir das Päckchen zum Glück aus. Anderenfalls hätte ich keine andere Option als das Packet zurückzulassen oder in Sexten zu übernachten und am nächsten Tag nochmal die Post aufzusuchen. Ich sortiere mein Essen für den nächsten Abschnitt der mich über den Karnischen Höhenweg auf den Nassfeldpass bringt. Für diesen Abschnitt plane ich 3,5 Tage ein. Weiters versorge ich mich im kleinen Spar Markt mit einigen frischen Lebensmitteln und breche bald darauf in Richtung der österreichischen Grenze am Karnischen Höhenweg. Die Nachmittagshitze ist gewaltig und da ich bereits mehr als 35 Kilometer in den Beinen habe komme ich am steilen Anstieg aus Sexten nur langsam voran. Da ich für heute aber kein wirkliches Ziel mehr habe ist das ok. Ich gehe noch bis kurz unterhalb des Helm Hauses und finde eine ebene Stelle für die Nacht mit Dolomiten Panorama.

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22.06.2016

Nach einer angenehm ruhigen Nacht geht es kurz nach Sonnenaufgang weiter Richtung Sillianer Hütte die ich schon von weitem sehen kann. Erstmals passiere ich die Grenze zwischen Österreich und Italien. Ein abwechslungsreicher Tag beginnt, endlose Kammwanderungen, vorbei an zahlreichen Stellungen aus dem ersten Weltkrieg, traversiere ich immer wieder steile Altschneefelder und steige über die Pfandspitze immer weiter vorbei an der Obstansersee-, Standschützen- und Porzehütte bis hinunter zum Mitterkar Biwak wo ich die Nacht verbringe. Ein sehr langer Tag, der erste an dem kein Regen fällt klingt am Balkon der kleinen Selbstversorger Hütte aus. Dem Hüttenbuch nach bin ich der erste übernachtende im Jahr 2016.

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23.06.2016

Früh morgens verlasse ich das Mitterkar Biwak, ein wolkenloser Himmel  prophezeit einen weiteren trockenen Tag in den Bergen. Über noch gefrorene Altschneefelder, steige ich weglos zurück auf den Hauptkamm und folge dem Trail Ostwärts richtung Giramondopass, Wolayersee und dem Valentinthörl.
Ich überlege kurz auf der Valentinalm zu übernachten, doch irgendwie zieht es mich wieder hinaus, es ist noch viel zu viel Tageslicht an diesem zweiten richtigen Sommertag vorhanden um hier sitzen zu bleiben. Ich wandere noch ca 2 Stunden bis oberhalb des Plöckenpasses und finde eine gute Stelle für die Nacht. Leider ist die Viehtränke aus der ich mein Wasser beziehe sehr Nah und lässt mich kaum schlafen obwohl ich nach einem weiteren sehr langen Tag den schlaf mehr als brauchen könnte.

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24.06.2016

Heute steht der letzte Tag am Karnischen Hauptkamm an. Ab hier verändert sich die Landschaft wieder einmal drastisch und aus schmalen Graten werden weite Almen die mich bis an den Nassfeldpass hinunter begleiten.

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Aus privaten Gründen verlasse ich den Weg vom Nassfeld aus für 7 Tage, schonbald aber werde ich zurückkehren und mich weiter auf den Weg nach Bad Radkersburg und somit den Endpunkt des Südalpenweges machen.

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