Sarek/Padjelanta Loop September 2013

Inspiriert durch Joery´s Bilder und Berichte, mit der Absicht früher oder später Alaska erleben zu können und in Anbetracht dessen, schon bald auf einem langen trail unterwegs zu sein, habe ich mich heuer nach einer anderen Herausforderung gesehnt. Es sollte der von Sagen und Mythen umgebene Sarek Nationalpark im nördlichen Schweden werden. Ein umsehen auf Kartenmaterial hat mich auch auf das Gebiet mit dem lieblich klingenden Namen Padjelanta aufmerksam gemacht. Lange habe ich nicht dafür gebraucht um hier eine brauchbare Rundtour herauslesen zu können. Mein grober Plan lautete also den Start und Endpunkt auf Kvikkjokk festzulegen mit einem möglichen Resupply in dem Resort Ritsem nördlich des riesigen See Akkajaure. In der Vorbereitung habe ich mir lediglich mögliche Routen durch den Sarek angesehen, wollte aber alles vor Ort entscheiden und flexibel sein. Ein weiteres Hauptaugenmerk dieser Tour sollte sein, nicht einem Kilometerwahn zu verfallen (der kommt dann im Januar) sondern viel Zeit mit beobachten und fotografieren zu verbringen. Ja sogar ein Buch hatte ich dabei um mal eine Lesepause einlegen zu können. Im Endeffekt wurde es eine gesunde Mischung aus beidem, Kilometerwahn und Fotografie 
Eine rund 300 Kilometer lange Runde die ich in gut 16 Tagen locker bewerkstelligen ließ ist es schlussendlich geworden

Ich habe mich schon ein halbes Jahr vorher dazu entschlossen mich der doch recht abgelegenen Gegend langsam zu nähern und die Variante des Nachtzugs von Stockholm aus gewählt. Leider durfte bei der Onlinebuchung etwas schief gelaufen sein und so musste ich feststellen kein Schlafabteil zu haben sondern lediglich einen Sitzplatz im Großraumwagon, gut so ist das nunmal, der Zug war nicht besonders voll und somit konnte ich wenigstens auch den Sitz neben mir verwenden. Hätte ich mir anfangs nicht gedacht das man darauf mit 1,80 liegen kann. Zumindest solange bis eine Seite so wehtut und man sich dann auf die andere dreht, solange bis es draussen wieder hell ist.
Mit Wartezeiten war ich gute 30 Stunden unterwegs um von meiner Wohnungstüre ins schöne Kvikkjokk zu gelangen.

Packliste

Video (HD einschalten nicht vergessen):


Ich weise darauf hin, in diesem Bericht keinerlei Routenempfehlungen sowie Material Tips für die von mir beschriebenen Regionen zu geben.

Tag 1 23.08.2013

Endlich raus aus dem Bus und erstmal hier Orientieren. Soweit ich weiß sollte diese Fjällstation auf einem Hügel sein, somit nehme ich die Straße bergauf. Ich hinterlasse ein Gepäcksstück, führe etwas smalltalk mit den anwesenden Personen, werde auf den kleinen Rucksack angesprochen und ein Engländer fragt mich ob ich die Marke Gossamer Gear kenne. Wir führen ein wenig Geartalk dann kaufe ich mir meinen Brennspiritus und mache mich auf den Weg der die ersten Kilometer auf dem Kungsleden verläuft. Viel ist hier nicht mehr los und es wird bereits von Nebensaison gesprochen. Bei bestem Wetter, soll meine erste Tagesetappe die etwa 20 km entfernte Parek Ebene sein. Der Weg verläuft schön durch dichten Fichtenwald der sich immer wieder mit den Birken abwechselt, endlich darf ich auch mal auf diesen Bohlenplanken laufen. Ab und zu ist es möglich die hohen Berge in der Entfernung zu erkennen, das gibt mir besonderen Ansporn und so bin ich nach ca. 5 Stunden an meinem heutigen Ziel. Ich suche mir ein schönes Camp im bereits sehr lichten Birkenwald. Eine Feuerstelle ist da, jede Menge Holz liegt herum. Es gibt einen Bach. Herz was willst du mehr. Nach dem ich mein Lager aufgeschlagen habe erkunde ich noch etwas die Gegend oberhalb der Baumgrenze. Hier lagert ein älterer deutscher Herr der bereits auf dem Rückweg ist und gemeint hat das es letzte Woche geschneit hat. Kaum vorstellbar, ich stehe hier in t-shirt und shorts bei guten 18°C. Ich gehe noch weiter, schließlich will ich den Sonnenuntergang von hier oben erleben. Es dauert nicht lange und ich kann meine erste Rentier herde beim vorbeiziehen beobachten. Das Licht wird immer Zauberhafter und ich springe von einem Felsblock zum nächsten um noch ein paar weitere Bilder schießen zu können. Nach dem die Sonne weg ist mache ich mich auf den Rückweg und genieße eine angenehm ruhige Nacht. Im Gedanken spiele ich morgen zum Observatoriumsplateu aufzusteigen sollte die Sicht so gut wie heute sein.

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Um 05:30 stecke ich meinen Kopf zum ersten mal unter dem Tarp hervor, auch in der Nacht ist es trocken und windstill geblieben. Ein leichter Morgennebel liegt zwischen den Bäumen etwas unterhalb von mir, allen anzeigen nach scheint es ein weiterer schöner Tag zu werden. Ich bleibe noch gut 10 Minuten liegen und breche dann kurz nach 06:00 auf Richtung dem Tjievrra Massiv. Von hier kann ich bereits die Kuppel des Barddetjahkka (2005m) sehen und überlege mir eine Route für den Aufstieg. Beim Verlassen des Pfades der mich hier her gebracht hat, ahne ich noch nicht von nun an fast den ganzen Tag in Blockfeldern zu verbringen. Ich suche mir immer wieder markante Punkte am Bergrücken den ich für den Aufstieg wähle um meine Route halbwegs effizient gestalten zu können. Immer wieder quere ich Schneefelder, steige von einem terrassenartigen Plateau zum nächsten auf. Hier stoße ich ab und zu auf Steinmännchen, da ich aber bei den Verhältnissen keinerlei Orientierungshilfen benötige schenke ich ihnen kaum Beachtung und wähle meistens eine etwas direktere Variante um mein Ziel das Observatoriumsplateau zu erreichen. Die Rote Blechhütte, eine von mehreren Hütten Axel Hamberg´s der als Sarek Pionier gilt und hier an die 35 Sommer und 8 Winter verbracht hat ergibt einen interessanten Kontrast in der Steinwüste die sonst hier oben dominiert. Die Hütte selbst ist verschlossen, um sie liegen viele alte Blechteile herum, das alte Gerüst (Foto) erinnert mich irgendwie an Bilder der Mondlandung. Ich suche erstmal Windschatten auf einer Seite der Hütte, mache eine Pause und beschließe dann nur mit der Kamera in der Hand weiter auf den Gipfel auf 2005 zu gehen.
Ich gehe weiter vor um über den Felsabruch schauen zu können, dann realisiere ich, dass ich direkt oberhalb des Gletschers Bardedejiegna und gegen Osten das dazugehörige Tal mit Gletscherfluß, dem Gadokjahka der von hier oben wie ein winziges Bächlein wirkt. Je weiter ich hinaufgehe desto grandioser wird die Aussicht auf so gut wie alle hohen Gipfel des Gebiets. Hier oben ist ausser mir kein Mensch, ich bin unglaublich glücklich dieses Gebiet, dass ich in den nächsten Tagen durchwandern werde von hier oben sehen kann.
Anstatt dem Kamm zu folgen und an der Brücke die auf der Karte eingezeichnet ist, beschließe ich kurz nach dem Observatorium Richtung Gletscher abzusteigen. Das Tal zieht mich stark an und ich denke darüber nach den Fluss am Gletschertor zu umgehen. Von oben konnte ich allerdings nicht sehen wie lange dieses Blockfeld tatsächlich ist. Stellenweise wird es sehr steil und auch hängend. Ich muss sehr vorsichtig sein bei jedem Schritt, abschnittsweise hält kein Stein auf dem anderen. Je weiter ich nach behutsam nach unten steige je länger wird das Blockfeld. Ich sehne mich bereits nach dem grün leuchtenden Talboden den ich schon seit mehreren Stunden anvisiere. Etwa 20 Meter links unter mir gibt es riesige Spalten im Blockfeld. Das Gestein liegt hier meterhoch direkt am Gletscher. Für den ca 3 km langen abschnitt brauche ich fast 4 Stunden. Erleichtert steige ich vom letzten Felsblock auf den von Moosen bewachsenen Boden. Das Tal in dem ich stehe und auf den Gletcher zurückschaue ist einfach atemberaubend. Ich blicke noch einmal auf meine Abstiegsroute zurück die ich jetzt in ihrer vollen Länge sehen kann. Nun wird mir klar das ich alleine sicher nicht zum Gletschertor aufsteige. Hier liegen Kleinwagen große Felsblöcke, der Boden ist verschlammt und überall öffnen sich Spalten. Der Gadojahka hat hier ein ordentliches Gefälle und fließt so schnell das man ihn nicht Furten kann. Der Eingang des Gaskasvagge dem Tal das ich als Verbindung zum Sarvesvagge ausgewählt habe liegt mehr oder weniger gegenüber von mir, nur der Fluß trennt uns und macht meine Pläne erstmal zu nichte. Ich gehe ein paar hundert Meter Flussabwärts und merke dabei recht schnell das der einzige Weg die Brücke ist die sich ca 7 km Flussabwärts befindet. Nach dem anstrengenden Blockfeldern kann ich die Erleichterung des gehens im Tal durchaus gebrauchen und kurz darauf mache ich mich auf den Weg. Der Fluß und die umliegenden Berge prägen das Landschaftsbild. Hin und wieder gibt es Rentierpfade die oft in mehreren Spuren verlaufen. Auch ich verwende sie um besser voranzukommen. Nach dem erreichen der Brücke die über einen recht tiefen Canyon führt suche ich mir einen Punkt auf der Landkarte den ich heute noch erreichen will um morgen früh, sollte das Wetter immer noch gut sein ins Gaskasvagge aufsteigen zu können. Ich muss beinahe die selbe Strecke Flußaufwärts zurückgehen um in das Tal vor dem Gletscher einbiegen zu können. Ich bin erstaunt wie einfach die Orientierung hier ist wenn die Sichtverhältnisse passen. Von Gletscher her gibt es starken Gegenwind, da ich recht müde bin schaue ich mich nur noch nach einem Windgeschützen Campspot um und werde in einer Senke fündig die den Wind deutlich abschwächt. Ein ebenes Plätzchen, fließendes Wasser. Mehr kann ich mir heute nicht wünschen. Trotz der 13 Stunden die ich heute durch sehr schwieriges Gelände unterwegs war kann ich nicht anders und ziehe noch mal mit der Kamera los um unter anderem noch ein paar Fotos unten am Fluß zu schießen. Ich kann es nicht glauben bei diesem Traumwetter hier keinen einzigen Menschen gesehen zu haben. Es fühlt sich gut an. In der Abendsonne bereite ich mein Essen zu, heute gibt es Couscous mit Trockenpesto, getrockneten Tomaten, Parmesan und Olivenöl. Während mein Wasser auf dem Kocher steht sehe ich mir die mögliche Route für morgen an. Danach gehe schlafen und lasse noch einmal den Tag in meinen Gedanken Revue passieren.

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Am Morgen werde ich durch die Sonne geweckt die durch mein Tarp scheint, ein gutes Zeichen für einen weiteren schönen Tag. Um 06:30 verlasse ich mein Camp. Da der Einstieg in das Gasgasvagge etwas höher liegt gehe ich schräg den Hang hinauf. Immer wieder stoße ich auf kleinere Seen in denen sich die Umliegende Bergwelt spiegelt. Von den Terrassen aus kann ich gut auf den Gletscher sehen von dem ich gestern gekommen bin. Es ist so schön ruhig und warm das ich mich nach einer Stunde an ein Seeufer setzte und erstmal Frühstücke. Der Himmel ist bereits Stahlblau und so gut wie kein Wölkchen ist am Himmel zu sehen. Fast zu schönes Wetter um zu fotografieren. Ich mache immer wieder ein paar Aufnahmen von den Reflexionen in den Gewässern. An der markanten Felsformation des Skajdetjahkka erkenne ich das ich hier nördliche Richtung einschlagen muss. Das Gelände wird blockreicher und es gibt einige Höhenmeter im Anstieg zu bewältigen. Lange Zeit hab ich nur den Pass vor Augen. Dahinter ist nur noch das Blau des Himmels sichtbar. Von der Passhöhe sehe ich hinunter in den tiefen Taleinschnitt des Gaskasvagge und den steilen Gegenhang auf der Südseite des Sarvesvagge, einem recht breiten mit Birkenwäldern bewachsenem Tal. Anfangs steige ich noch relativ einfach über gut zu begehende Blockfelder ab, später wird das Tal immer enger und der Gaskasjagasj schneidet sich tief in den Fels. Ich bin auf der rechten Seite des Flusses und weiß nicht so recht auf welcher Seite es wohl besser ist. Da ich nicht genau weiß wie breit der Fluß unten im Sarvesvagge wird, bleibe ich auf der rechten Seite um gegebenenfalls nicht furten zu müssen, da ich vom Sarvesvagge östlich ins Rapadalen wandern will. Der Hang bekommt ein immer steiler werdendes hängendes Gefälle und wird recht mühsam zu begehen. Immer wieder steige ich durch ausgetrocknete Bachbetten die voll mit Gestrüpp und losem Gestein sind. Ich bin sehr froh das der Boden trocken ist, bei Regen oder gar Neuschnee ist eine Begehung hier ein durchaus ernstes Unterfangen. Das Tal läuft an zwei Stellen V förmig zusammen weil an diesen Stellen noch ein jeweils zweiter Wasserlauf dazu kommt den es zu überwinden gilt. Auch hier bin ich über die trockenen Felsen sehr froh. An manchen stellen muss ich meine Hände verwenden um aus dem Canyon wieder hochklettern zu können. Das Sarvesvagge rückt aber irgendwann immer näher und langsam erkenne ich die einzelnen grün-gelb schillernden Bäume im Tal. Hier gibt es imm wieder Pfade, manchmal stoße ich auch auf Stiefelspuren. Unten im Flussbett mache ich erstmal eine ausgedehnte Pause. Zugegeben war der Abstieg ganz schön anstrengend aber bei den Verhältnissen sehr gut machbar. Weiter gehts durchs Sarvesvagge entlang des Flußes ins Rapadalen. Hier hätte ich mir zum ersten mal das Packraft gewünscht. Der Fluss würde durchaus befahrbar sein zumindest in den meisten abschnitten. Ich gehe dicht am Ufer entlang und kann die Elchtrails nutzen. Ich finde riesige Spuren und immer wieder die Losungen der Tiere. Alle paar hundert Meter endet der Pfad allerdings in irgendeinem Sumpf. Bald schenke ich den Pfaden daher nicht mehr all zu viel Beachtung, freue mich aber immer wieder auf einen zu Stoßen. Nach 2-3 Stunden wird das Tal immer weiter, links am anderen Flußufer erkenne ich den Laddebakte, einem sehr guten Aussichtsberg in diesem Gebiet. Um den Rahpaädno Furten zu können muss ich zuerst den Sarvesjahka überqueren. Dies scheint mir aber durchaus schwierig zu werden. Der Fluss scheint zwar nicht besonders schnell zu fließen, ist aber recht breit und vermutlich tief. Ich schnappe mir einen langen Birkenstab der in der Gegend rumlieg und teste erstmal an. Beim Einstieg ist das Wasser Kniehoch. Der Holzstab geht knapp einen Meter weiter schon ordentlich tief. Ich steige nochmal aus dem Fluß, verpacke die wichtigen Gegenstände Wasserdicht und Furte. In der Mitte ist die Wucht des Wassers ganz schön zu Spüren doch der Stab gibt mir guten halt. In der Mitte des Flußes bin ich bis zum Bauchnabel im Wasser, ich habe nur noch wenige Meter zum anderen Ufer und ziehe die Sache durch. Da ich jetzt schon Nass bin will ich auch gleich den Rhpaädno überqueren, ich fackle daher nicht lange und gehe zügig über die Sandbänke um dem Wasser näher zu kommen. Es gibt einige Tümpel und viele Seitenarme die alle ganz gut machbar sind. Ein Arm ist jedoch wieder etwas tiefer und ich stehe bis zum Bauch im Wasser. Schnell auf die nächste Sandbank. Mitten in einer Furt an einer Sandbank treffe ich auf zwei norwegische Fotografen. Sie sind bereits 38 Tage im Rapadalen und Sarvesvagge. Sie haben inklusive schwerem Fotoequipment, zwei Zelte und das gesammte Essen auf Etappen hier her getragen. Ich frage sie ob sie Bären fotografieren konnten. Sie Antworten mit:“No, just Elk“. Der letzte Arm um ans andere Ufer zu gelangen, die Südseite des Laddebakte geht problemlos. Das Wasser ist zwar stärker fließend aber nicht Tief. Ich steige aus dem Fluß und klettere über die Böschung in den Wald. Hier laufe ich die langsamsten Kilometer meines Lebens. Der Birkenwald is so dicht das man kaum zwischen zwei Bäumen durchkommt. Die Blockfelder sind mit Moos überzogen und überall gibt es gefährliche oft unsichtbare Löcher im Boden. Noch dazu hängt dieser Hang schräg hinunter zum Flußufer. An lichteren Stellen gibt es sehr hohes Weidegestrüpp und viel Sumpf. Ich kämpfe mich buchstäblich durch das Unterholz. Aber irgendwie macht das richtig Spass auch wenn es super anstrengend ist. Später auf der Karte stelle ich fest, für die letzten 2km ganze 3 Stunden gebraucht zu haben. Später gehe ich lange direkt am Flussufer, ich klettere lieber über die Felsen anstatt mich durchs Dickicht zu schlagen, bzw ist ein wenig Abwechslung willkommen. Ich gehe noch einige Kilometer Flußaufwärts und sehe mich nach 13 Stunden auf den Beinen nach einem Lagerplatz um. Ich finde auch einen schönen oberhalb des Flusses mit einem wunderschönen Ausblick. Für den nächsten Tag Plane ich noch weiter nördlicher zu gehen um oberhalb von meinem jetzigen Standpunkt auf den Hauptweg im Rapadalen zu stoßen um auf ihm nochmals zurück zu gehen um auf den Bielatjahkka oder dem Laddebakte steigen zu können. Doch diesmal sollte es anders kommen…

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Über die Nacht ist Wind aufgekommen, wie jeden Morgen blicke ich bei Tagesanbruch in den Himmel. Das Blau hat sich mit tiefem grau abgelöst. Heute macht es wohl keinen Sinn auf einen Berg der Aussicht wegen zu steigen. Ich erwarte Regen. Solange es trocken ist, packe ich doch mein Zeug zusammen und schaue wie weit ich komme.
Ich steuere erstmal die Brücke und das Nottelefon in der Mitte des Gebiets an. Nach ca. 2 Stunden setzt heftiger Regen ein ich gehe noch ein Stück und beschließe mein Tarp aufzubauen um den Regen vorübergehen zu lassen. Ich hab keinen Zeitdruck und genug Vorräte, um wenn es sein muss auch länger hier zu bleiben. Ich lege mich erstmal hin und schlafe noch 2 Stunden. Es ist still draußen, kein Regen mehr, doch der Himmel sieht noch bedrohlicher aus als vorhin.
Ich nutze die Regenpausen um Blaubeeren zu sammeln und die Gegend zu erkunden. Unter anderem steige ich nur mit der Fotoausrüstung zwei bis dreihundert Höhenmeter auf den Berg hinter mir. Immer wieder sticht grelles Licht durch die Wolkendecke durch. Es regnet für ein paar Minuten und hört dann wieder auf. So soll es den ganzen Tag weiter gehen.
Ich verbringe die Nacht an der selben Stelle.

Am Morgen nutze ich eine der Regenpausen, packe zusammen und mache mich auf den Weg in einen langen Tag.
Heute gehe ich auf Grund der nicht vorhandenen Sicht und des Regens, von meinem Camp, das ca 2km vor der Brücke liegt, durch das Ruohtesvagge bis kurz vor dem Bootsanleger nach Ritsem (Änonjalmme).
In der kleinen Schutzhütte koche ich mir erstmal einen Kakao und wundere mich, wieviel Stumpfsinn Menschen durch den Kopf gehen muss um es hier dann an die Hüttenwand zu kritzeln.
Durch das Ruohtesvagge ist die Navigation auch ohne gute Sicht ganz ok, nur einmal bin ich unaufmerksam und biege zu früh ab. Doch dies bemerke ich recht schnell, als ich plötzlich vor dem Gletscher Ruohtestjahkka stehe.
War ein netter kleiner sidetrip. Immer wieder sind kleine und mittelgroße Flüsse zu queren die aber alle kein Problem darstellen. In einiger Entfernung erkenne ich eine alte Rentierzüchterhütte die Mitten am Weg steht.
Einige Wanderer scheinen echt zu glauben das hier die Mülldeponie des Sareks ist. Solche Leute gehören gestraft. Da keine ich kein Pardon wenn es darum geht Müll zurückzulassen.
Weiter gehts über meist ebene Flächen, hin und wieder ein Graben, Sumpf oder Fluß die mich aber nicht wirklich an meinem zügigen weiterkommen hindern.
Birkenwald! An der sich änderten Vegetation und dem Flußlauf erkenne ich, dass ich hier bald mal links abbiegen muss um dann irgendwann an die Nationalparkgrenze zu gelangen. Der Wald wird dichter, herrliche Zeltplätze finden sich hier auf kleinen Terrassen. Weiter unten kommen dann die Parks Padjelanta/Sarek/Stora Sjöfalets zusammen.
Morgen möchte ich das 11 Uhr Boot nach Ritsem nehmen von daher beschließe ich noch ein paar Kilometer zu machen um dem Bootsanleger näher zu sein.
Nach ca. 14 Stunden finde ich einen netten Platz, mit einer restlichen Wegstrecke von ca 5km für morgen.
Etwas erstaunt stelle ich fest, dass meine Kleidung so gut wie trocken ist. Hilft imprägnieren doch?

 

 

Um auf Nummer Sicher zu gehen mache ich mich schon früh auf den Weg zum Bootsanleger, weit habe ich es ja nicht mehr. Es hat wieder geregnet über die Nacht. Ich stehe solange Barfuß auf meiner Tyvekplane bis mein Rucksack fertig gepackt ist und sich bereits auf meinem Rücken befindet. Noch einmal hinein in die Nassen Sumpfsocken und Schuhe.
So ungut es manchmal ist, immer wieder erstaunt es mich wie egal es wird sobald ich die ersten Meter zurückgelegt habe.
Ich schlendere durch den gelben Birkenwald. Im Gedanken bin ich schon etwas mehr bei meinem Versorgungspaket in Ritsem als im Wald, starker Wind, kein Mensch weit und breit.
Nach ca einer Stunde erreiche ich die Hütte oberhalb des Anlegers.Menschen! Riesen Rucksäcke! Haben wohl in der Hütte gepennt. Ich gehe runter zum Anleger und koche mir einen Kaffee mit meinen Spiritus Resten. Den Wind nutze ich gleich um mein Tarp zu trocknen.
Schon von weitem sehe ich das Boot, es ist größer als gedacht, die ersten Hüttenübernachter kommen schon und gehen gleich auf die Landungsbrücke. Scheint so als hätten sie Angst keinen Platz mehr zu bekommen. Dabei fasst dieses Boot doch locker 90 Menschen. Ich beobachte. Die kramen irgendwas herum. Ein Windstoß und der Signalfarbene Packsack ist im See verschwunden. Wahrscheinlich wird er sowieso nicht mehr gebraucht. Für die meisten geht es von Ritsem aus mit dem Bus zurück in die Heimat.
Ein blonder Junge mit zerzaustem Bart kommt aus der Kajüte und befestigt das Boot am Anleger. Wortlos gibt er uns zu verstehen das wir jetzt das Boot betreten können.
Ich bin jedenfalls der erste der das Boot wieder verlässt. Ein Auto mit fehlender Bereifung steht oberhalb des Bootsanlegers. Ich folge dem Pfad den Hügel hinauf und erkenne mehrere rote Barracken. Eine davon muss wohl die Fjällstation sein. Würde ich solche Plätze nicht irgendwie mögen, würde ich sagen es ist richtig hässlich hier.
Ich checke die Fjällstation nach meinem Paket. Eine blonde Dame führt mich hinunter in einen Schuppen in dem sie die Post aufbewahren. Ich hab mein Paket von aussen so gekennzeichnet das ich es unter hunderten wohl schnell erkennen würde.
Hier liegen aber nur 5 uns meines ist nicht dabei. Try tomorrow.
Viel ist nicht mehr los in der Fjällstation. Ich hab heute keinen Bock im freien zu schlafen, daher Miete ich mich in der Station ein. Diese habe ich so gut wie für mich alleine. Im Shop kaufe ich Bier und Abendessen. Später taucht noch ein Engländer auf der mir sein Ladegerät borgt. Jetzt kann ich wenigstens Musik auf meinem Smartphone hören. Ich mache nie wieder den Fehler und lasse Ladegeräte absichtlich zu Hause. Auch meine Kameraakkus sind so gut wie unbrauchbar.
Auch in der Station haben sie kein Universalladegerät.
Der Postbus kommt leider erst um 14:00. Ich schlafe bis in den Vormittag. Es gibt nicht viel zu versäumen. Alles ist in Wolken gehüllt. Man sieht kaum zum See hinunter und es Regnet. Ich bin von der Situation aber nicht genervt. Irgendwie gefällt es mir hier in der leeren Fjällstation. Ab und zu schaue ich hinauf zum Shop, hole mir einen Kaffee und spreche mit den wenigen Leuten die hier arbeiten. Der Bus kommt. Keine Post. Einen weiteren Tag werde ich nicht warten und somit muss ich vorlieb mit dem nehmen was es hier gibt. Viel ist es nicht und das wenige kostet eine Menge. Aber was solls. Ich bekomme ein dezentes Resupply hin und verlasse am nächsten Morgen Ritsem mit dem Vorhaben das Boot in Vajsaluokta zu verlassen und meinen Weg zurück nach Kvikkjokk über den Nordkalottleden zu beginnen. Die Crew auf dem Boot ist die selbe, nur mit dem Unterschied das ich der einzige Fahrgast bin.
Das Wetter heute ist ok, sehr windig, bisschen regnerisch aber mit der Tendenz zum trocken werden. Eines fällt mir gleich auf. Die Pfade hier sind sehr leicht zu wandern. Eine gute Abwechslung für mich. Oberhalb von der Kutjaure Hütte schlage ich mein erstes Nachtlager auf. Gegen Abend wird das Wetter immer besser. Auch das Akka Massiv zeigt sich. Ein Naturschauspiel an Farben breitet sich über mir aus. Mit dem Wissen das jeder Zeit mein Akku blinkt versuche ich soviel wie möglich davon einzufangen. Die letzten Minuten bevor es zu dunkel wird sitze ich eingehüllt in meinem Schlafsack einfach nur da und schaue.
Die Nacht ist recht frisch. Zum ersten mal lasse ich auch meine dünne Daunenjacke beim Schlafen an.

Die Fotos hier sind die letzten die ich mit meiner Kamera machen konnte. Danach war sie nur noch zum Einschlagen der Zeltnägel gut 😉

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In den restlichen 3 Tagen die ich noch auf dem Padjelantleden bis Kvikkjokk benötige passiert nicht viel, rechts von mir die Sarek Berge, links Seenlandschaften soweit das Auge reicht. Gut um die Seele baumeln zu lassen. Ich genieße die Stille und die Weite des Fjälls. Ab und zu treffe ich ein paar Menschen, meistens an den Hütten an denen ich oft neugierig bin und eine Pause einlege. So treffe ich beispielsweise http://www.simonpatur.de der noch 1000 km auf seiner Norge par langs zurückzulegen hat. In Saltoluokta landet gerade der Hubschrauber, ein Belgier steigt aus und führt sein neues Trekkingspielzeug für 10 Tage in den Sarek. Er weiß nicht so recht wo er jetzt seine Kameratasche anbringen soll.
Ich überlege ernsthaft ob ich von hier aus nochmal in den Sarek abbiegen soll, das Njoatsosvagge würde sich anbieten. Irgendwie komme ich aber nicht damit klar das ohne Kamera zu machen, mittlerweile ist der Saft wirklich alle.
Ausserdem habe ich nicht mehr genug zu futtern und und und..

Auf den Hochebenen von Tuottar wird es bereits dunkel, es geht ein orkanartiger Wind und ich habe so gut wie alle meine Bekleidungsschichten am Körper um es noch angenehm zu haben. Vor den Hütten die ich schon von weitem aus der Ferne sehe dürften die Brücken wenn sie überhaupt je vorhanden sind, jedenfalls nicht mehr da sein. Die Flußarme sind recht breit aber nur sehr wenig Wasser darin. Ich schaffe es beinahe von Stein zu Stein zu kommen ohne abzurutschen, aber wie gesagt nur beinahe.
Ich bin seit gefühlten Ewigkeiten unterwegs und beschließe die Nacht hier zu verbringen. Ausser mir ist kein Mensch mehr da.
In einer kleinen Hütte am Ende des Plateaus scheint noch Licht. Wahrscheinlich doch der Hüttenwart.
Ich klopfe an die Tür, eine überaus reizende Hüttenwartin öffnet. Ich bin etwas „perplex“ finde aber doch den Faden und frage nach einer Unterkunft. Wie angenommen ist niemand sonst niemand hier und ich kann mir irgendeine Hütte aussuchen. Ich nehme die kleinste dem See am nächsten. Es tut gut aus dem Wind zu sein, ich mache erstmal die Gasheizung an, höre etwas Musik von meinem Smartphone und genieße mein Abendessen vom Fenster aus. Draussen zeichnet sich ein wunderschöner, mit schweren Wolken durchzogener Sonnenuntergang ab. In dieser Nacht bringe ich aus irgendeinem mir nicht erklärbaren Grund kein Auge zu. Ich schieb es auf den Wind.

An einem weiteren Tag treffe ich unverhofft auf ein ehemaliges ODS Mitglied. Es ist Järven wie sich herausstellt.
Nichtsahnend stehe ich an einem kleinen Vorsprung und blicke hinunter auf den Birkenwald.
Plötzlich hinter mir eine Stimme, die meinen Namen ruft. „Matthias?!“ Ich drehe mich um. 3 Wanderer mit Birkenstäben und Riesenrucksäcken ein paar Meter hinter mir. Wie ich an der Aussprache meines Namens erkennen kann, ist zumindest einer von ihnen deutscher, also antworte ich einfach mit einem kurzen „ja“. Wir reden eine ganze Weile, die 3 wollen dann noch weiter zur nächsten Hütte.
Ich hab mir bereits einen grandiosen Zeltplatz gesucht. Irgendwie witzig Järven hier zu treffen.
Er sollte übrigens nicht der einzige bleiben der mich „hier oben“ verwunderlicher weise kennt.

In Kvikkjokk angekommen bin ich eigentlich am Ende meiner so geplanten Reise. Da ich noch etwas Puffer hatte, hat sich per Zufall noch ein kleiner Abstecher in den Sarek ergeben. Zusammen dem österreichischen Extrem Bergsteiger Hans Goger den ich zufällig getroffen habe.

Zum Abschluss noch ein paar Bilder die Hans aufgenommen hat:

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