Großglockner Umrundung

Route: Kaprun-Gleiwitzer Hütte-Fusch-Ferleiten-Trauner Alm-Pfandlscharte-Glockner Haus-Salmhütte-Glorer Hütte-Kals-Dorfertal-Kalser Tauern-Rudoflshütte-Kapruner Törl-Moserboden-Alpincenter Kitzsteinhorn-Krefelderhütte-Maiskogel-Kaprun

Dauer: 3 Tage/ Nettozeit 23 Stunden
Distanz ca 120 Kilometer mit 8000 Höhenmetern im Aufstieg

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Nach meiner Besteigung des Großglockners (3798m) im April, waren die heuer lang anhaltenden winterlichen Verhältnisse nun Geschichte und die Wege um Österreich´s höchsten Berg großteils schneefrei. Grund genug, um ein paar Freunde zusammenzutrommeln und um gemeinsam  das mächtige Glocknermassiv in den Hohen Tauern zu umlaufen. Dabei ging es auch gleich um die Machbarkeit der Strecke und dem sammeln von wichtige Daten für den 2015 erstmals stattfindenden Großglockner ULTRA-TRAIL.
Mit einiger Verspätung sind wir um die Mittagszeit, zu viert, vom Salzburger Platz in Kaprun gestartet, mit dem vorhaben noch heute es bis zur Glorerhütte oberhalb von Kals zu schaffen. Schon nach nur 1,5 km Asphalt durch den Ort Kaprun steigen wir bereits in einen anfangs breiter verlaufenden Forstweg und kurz darauf später in den Singletrail (Arnoweg) Richtung Gleiwitzerhütte ein. Nach ca. 7km sind bereits fast 1000 Höhenmeter geschafft, so kann es weitergehen. Das Wetter scheint vielversprechend, ebenso hoch ist unsere Motivation. Weit oben am Berg blicken wir oft zurück nach Kaprun und das dahinter liegende Zell am See. Der Ausblick nach allen Seiten ist einfach nur Traumhaft und lässt keine Wünsche offen. Über der Baumgrenze geht es auf rasanten trails zur Gleiwitzer Hütte. Oberhalb der Hütte konzentriere ich mich zu sehr auf das Filmen während des Laufens, übersehe dadurch einen Stein und stürze. Das ist mir  noch nie passiert. Ich finde mich am Boden liegend wieder. Ich begutachte kurz meine rechte Handfläche und den rechten Unterschenkel und warte eigentlich nur darauf bis das Blut zu rinnen beginnt. Weiß aber das es bis auf eine Schürfwunde nichts grobes ist. Die Kamera hat es auch überstanden. Es kann weitergehen.
Bei der Hütte legen wir eine kurze Rast ein um die Füße für den langen downhill hinunter nach Fusch kurz ausrasten zu können. Wir laufen recht zügig die in Serpentinen hinunter. Ich denke nicht mehr an meinen Sturz und konzentriere mich voll auf das Laufen. Leider kommt kurz oberhalb von Fusch auch Harry zu Sturz. Anfangs lässt er sich nichts anmerken, beschließt aber es in Fusch bleiben zu lassen. Hinsichtlich der noch langen Strecke ist das sicher die richtige Entscheidung um keine gröbere Verletzung zu riskieren. Nun waren wir nur noch drei. Von Fusch aus verläuft der Weg recht einfach und nur leicht ansteigend in Richtung Ferleiten. Einmal nehmen wir eine falsche Abbiegung und suchen uns dann querfeldein über eine große Weidefläche zurück zum richtigen Weg. Es ist sehr heiß geworden und der Schweiß fließt in Strömen. Schön das es in sehr regelmäßigen Abständen Bäche direkt am Weg gibt.
In der Ferne ist bereits die Pfandlscharte zu erkennen, hier überquert man auf 2600m Seehöhe den Alpenhauptkamm! Insgeheim weiß ich jetzt schon das wir unser Ziel die Glorerhütte nicht mehr erreichen werden. Es ist schon recht spät geworden und das Wetter scheint schlechter zu werden, regen setzt ein. Kurz vor der Trauneralm kommt uns ein alter VW Bus entgegen. Die Lenkerin kurbelt das Fenster hinunter und will wissen wo wir heute noch hinwollen. Wir erzählen ihr kurz von unserem Vorhaben. Sie rät uns auf Grund der Gegebenheiten davon ab und bietet uns einen Schlafplatz im Wirtschaftsgebäude der Alm an. Sie kommt zwar heute nicht mehr zurück aber es ist offen und zu Essen gibt es in der Küche auch genug. Wir sollen uns einfach bedienen. Kurz überlegen wir noch vielleicht doch noch die Scharte in Angriff zu nehmen und zumindest noch aufs Glocknerhaus zu laufen. Der stärker werdende Regen und die müden Beine helfen bei der Entscheidung und wir beschließen auf der Alm zu bleiben. Gute Entscheidung!
Schnell die Laufsachen in trockene Kleidung gewechselt und ab in die Küche, wir finden alles was wir brauchen.
Bereits um 04:00 Uhr leutet der Wecker am nächsten Morgen. Nach dem Frühstück, Joel schmeißt tatsächlich ein paar Eier in die Pfanne, machen wir uns um 05:00 auf den Weg. Zuerst steht die Überquerung der Pfandlscharte am Programm. Relativ zügig und gut ausgerastet bewältigen wir den steilen Anstieg. Die letzten paar hundert Meter auf einem sehr breiten Altschneefeld. Viele Menschen sind hier heuer noch nicht drübergekommen. Auf der anderen Seite genießen wir kurz das Panorama mit seinen Gebirgsseen. Weiter geht es im downhill zum Glocknerhaus. Hier gibt es ein zweites Frühstück 😉
All zu lange bleiben wir nicht, denn heute wollen wir die Zeit von gestern wieder gut machen und bis zur Rudolfshütte kommen. Wir laufen hinunter zu den Stauseen und haben besten Blick auf die Pasterze sowie auf den kommenden Anstieg. Das Wetter scheint echt optimal zu sein. Wir ahnen nicht das bereits hinter dem nächsten Kamm bereits der Nebel auf uns wartet. Zügig lassen wir die Salm- und Glorerhütte hinter uns begeben uns am Wiener Höhenweg Richtung Peischlachtörl und in den langen downhill nach Kals. Lustige Wanderer Rufen uns irgendwas  mit „ironman“ zu. Whaaaaat? Was auch immer, es gilt sich in der schwierigen Passage auf den Weg zu konzentrieren. In Kals angekommen ist es Zeit für ein Mittagessen. Im örtlichen Gasthof kehren wir hungrig ein. Den letzten Teil der Route durch das wunderschöne Dorfertal und über den Kalser Tauern schätzen wir auf ca 20 Kilometer ein. Mehr als genug Zeit um noch vor der Dämmerung auf der Rudolfshütte anzukommen für die wir bereits im Vorhinein ein nettes Zimmer reserviert haben. Am Himmel wird es immer düsterer und der erste Regenschauer lässt nicht lange auf sich warten. Die Temperaturen bleiben aber recht angenehm und solange ich in Bewegung bin verzichte ich auf die Regenjacke. Schnell ist der Pass erreicht und die Rudolfshütte in greifbarer Nähe. Nördlich vom Kalser Tauern wieder bestes Wetter!
Wir checken ein, duschen und machen uns auf den Weg zum Abendessen, das Berghotel lässt ansich keine Wünsche offen! Für den SPA-Bereich sind wir dann allerdings doch zu müde. Noch ein Bierchen und ein paar Fotos von der Kamera gesichtet und ab geht es ins Bett. Die nächste Etappe ist zwar eine der kürzesten aber nicht weniger schwierig. Vorallem der Aufstieg zum Alpincenter Kitzsteinhorn ist nicht ungefährlich und verlang volle Konzentration. Im Rennen nicht durchführbar, ist unser gemeinsamer Entschluss. Auf der Krefelderhütte genemigen wir uns noch Apfelstrudel mit Vanillesauce mit Kaffee, bevor es in einem sehr langen downhill über den Enzinger-Weg zurück nach Kaprun geht. An diesem Tag haben wir rund 3000 Höhenmeter allein im Abstieg bewältigt. Das Gefühl zu wissen es geschafft zu haben ist ein sehr schönes, die letzten Meter entlang der Sommerrodelbahn bringen uns zurück in die Zivilisation. Es war wie immer eine große Freude, danke and Mike und Joel!

Video (HD empfohlen):

 

 

 

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