Tipps zur Gewichtsoptimierung bei Mehrtagestouren und Weitwanderungen

Dieser Beitrag beruht auf subjektiven Erfahrungen aus meinen bewältigten Touren. Er soll lediglich ein Anreiz sein und Denkanstöße bieten. Vergewissert euch immer selbst was ihr euch zutraut und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten steht.

Mit diesem Artikel möchte ich mich an alle wenden, die vor ihrer ersten längeren Trekkingtour stehen, sowie an Umsteiger aber auch an bekennende „ultraleicht“ Wanderer.
Der Beitrag soll helfen, die nötigen Kenntnisse zu erlangen um ein gelungenes Erlebnis in der Natur zu ermöglichen und aufzeigen was dieses trübt. Letzteres hängt in vielen Fällen mit einem zu hohen Rucksackgewicht und dem körperlichen Trainingszustand zusammen. Du musst aber keinesfalls ein „Super-Athlet“ sein um eine Lang-Distanz-Wanderung zu bewältigen. Wichtig ist, dem Körper die notwendige Zeit zu geben, sich der ungewohnt hohen Belastung anzupassen. Dies kann ein paar Wochen dauern, man merkt selbst ob die Zeit gekommen ist, weitere Strecken zurückzulegen sofern man das will.
Beginnen möchte ich mit einigen Fakten die für einen leichteren Rucksack sprechen.

6 Vorteile eines leichten Rucksacks:

  • Weniger Gewicht am Rücken wirkt Gelenksschonender am ganzen Körper
  • Sicherer, du kannst bei Gefahr schneller agieren (Steinschlag, Gewitter, Hilfe holen, etc)
  • Leichtfüssiger unterwegs sein, du leidest nicht unter der auferlegten Last
  • Du erreichst dein Ziel ausgeruhter und kannst die verbleibende Zeit besser nutzen
  • Weniger einzelne Gegenstände, das Ende der Herumkramerei!
  • Weniger unüberlegt gekaufte Ausrüstung bedeutet geringeren finanziellen Aufwand

Leicht unterwegs zu sein heißt keinesfalls erhöhtes Risiko aufsich zu nehmen oder gar notwendige Gegenstände zu Hause zu lassen. Es bedeutet lediglich das Equipment genau zu kennen, multifunktionalität zu entdecken  und an die verschiedenen Situationen und Touren anzupassen.
Mit perfekt abgestimmter Ausrüstung ist es egal ob man 5 Tage oder 5 Monate unterwegs ist. Bei Weitwanderungen wie z.B. dem Pacific Crest Trail ersetzt man verschlissene Ausrüstung unterwegs und nimmt so gut wie nichts extra mit.

5  Schritte die dein Rucksackgewicht drastisch reduzieren:

  • Quilt statt Schlafsack
  • Schlafmatte auf die 3/4 länge kürzen bei aufblasbaren Matten Größe S wählen
  • Rucksack mit geringerem Volumen und ohne Rahmen
  • Tarp od. Tarptent statt Doppelwandzelt
  • Hygiene-  und Erste-Hilfe-Kit optimieren

Diese 5 Schritte mögen im ersten Moment Radikal und unbequem klingen, wir wollen aber dabei nicht den Nutzen aus den Augen verlieren, weniger zu Schleppen und somit  den Komfort auf der Tour deutlich zu erhöhen. Vor dem Packen empfehle ich alle Ausrüstungsgegenstände mit einer Küchenwaage zu wiegen und in eine Excel Tabelle einzutragen. So kann man genau vergleichen und ersparrt sich erneutes Wiegen vor zukünftigen Touren.
Hier findest du meine Packlisten.

Ein Quilt ist ein Schlafsack ohne Rückenteil und Reißverschluss, er hat meist eine geschlossene Fußbox und mehr Ähnlichkeiten mit einer Decke die man auch daheim verwendet. Ein Quilt kann bei kalten Temperaturen an die Unterlagsmatte befestigt werden, somit wird das Eindringen von kalter Luft verhindert. Daune isoliert nur dann, wenn sie ungehindert „loften“ kann. Daher ist sie an allen Stellen wo sie beim Liegen gegen die Matte gedrückt wird wenig wirksam. Beim Quilt lässt sich die Temperatur wesentlich besser regulieren als in einem geschlossenen Schlafsack. Kein Reißverschluss bedeutet eine Fehlerquelle weniger. Er bringt somit einen erheblichen Gewichtsvorteil gegenüber einem herkömmlichen Schlafsack. Für noch mehr Wärmeleistung und der Hygiene halber empfehle ich die Verwendung eines Innenschlafsacks aus Seide (Silk-liner). Bei reinen Hüttentouren würde man nur den Innenschlafsack benötigen. Gewicht: 350-700 Gramm.

Die Schlafmatte soll vor allem für Komfort und Isolierung des Körpers vom Untergrund sorgen. Für die Beine reicht es den leeren Rucksack und etwas extra Kleidung zur Isolierung zu verwenden. Mittlerweile gibt es sehr leichte aufblasbare Matten, je nach Gegend sollte man abwägen ob man sich für eine Schaumstoffmatte oder für eine mit Luftfüllung entscheidet. Bei letzterer unbedingt ein Reparaturkit mit einplanen. Schaumstoffmatten können so eingerollt werden, dass sie einem rahmenlosen Rucksack stabilität verleihen. Gewicht: 200-400 Gramm.

In Anbetracht dessen, dass wir von nun an weniger Tragen wollen hat der 70 Liter Rucksack endgültig ausgedient. Ultraleicht Rucksäcke haben meist einen Rollverschluss und sind somit im Volumen variabel. Selbst für eine mehrwöchige Wanderung bei der die Versorgung unterwegs gewährleistet ist, reicht ein 45-50 Liter Rucksack. Viele Hersteller bieten mittlerweile auch UL Rucksäcke mit leichten Carbon od. Titanrahmen. Wenn man das Equipment aber soweit optimiert hat, dass man unter sechs Kilo kommt kann man  auch diesen Rahmen weglassen und zu einem frameless Rucksack greifen der sich mit Nahrung und Wasser bis ca 10 Kilo (subjektiv) bequem tragen lässt. Gewicht: 300-1000 Gramm.

Bei autarken Touren, sollte man sich über seine Behausung Gedanken machen. Die Hauptaufgabe eines Zeltes sind die Elemente wie Wind und Wasser draußen zu halten. Dies kann auch mit wesentlich leichteren Tarp Systemen erreicht werden, die meist mit Trekkingstöcken in Verbindung aufgebaut werden.  Zusätzlich kann man auch einen Biwaksack verwenden und somit an klaren Abenden unter freiem Himmel übernachten. Die Vorteile eines Tarps liegen ganz klar im Gewicht, ausserdem bildet sich bei einem Tarp gar kein bzw wesentlich weniger Kondensflüssigkeit. Gewicht: 150-1000 Gramm.

DSC00422reMein Tarp/Bivy Setup am GR20 auf Korsika. Gesamtes Rucksackgewicht bei 4,5 Kilo

Hier herrscht enormes Einsparungspotential. Die wirklich essentiellen Dinge sind ganz einfach. Zahnbürste, Zahnpasta und Seife. Der Kulturbeutel mit Klettspiegel und Hängehacken kann getrost zu Hause bleiben. für diese Gegenstände reicht ein Zip-Loc Beutel mehr als aus. Oft liest man von abgesägten Zahnbürsten und dergleichen, ich verwende hingegen lieber Kinderzahnbürsten. Diese sind ebenso leicht und haben ein kleines Packmaß und von der Handhabung angenehmer. Zahnpasta und Sonnencreme sollten nur in kleinen Reisetuben mitgenommen werden. Dr. Bronners Magic Soap eignet sich auch zum Zähneputzen (am besten Pfefferminz) und ist ausserdem zur Körper und Haarpflege bestens geeignet.

Ähnlich minimal halte ich auch das Erste-Hilfe-Kit. Es besteht aus 2 Wundkompressen, Alkoholtupfer, Desinfektionsmittel, Leucotape, Schmerztabletten und Einweg-Handschuhen. Dies passt ebenfalls in einen Zip-Loc. Sollten diese Utensilien nicht mehr ausreichen benötige ich sowieso einen Arzt. Bei Touren in völliger Autarkie sollte das Kit natürlich entsprechend erweitert werden.
Wichtig ist alle Flüssigkeiten wie z.B. Wasserentkeimung, Desinfektion, Seife, etc… in sogenannten Mini-Dropper Bottles umzufüllen. Das bringt viel Platz und spart Gewicht. Gewicht 50-200 Gramm.

 

Vorschau auf den nächster Artikel: Outdoor Küche-Wie versorge ich mich optimal auf einer Weitwanderung.

Überlegt einen meiner Workshops zum Thema zu besuchen!

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