Großglockner Ultra-Trail 2017 (110km/6500+)

Training & Vorbereitung

Für den GGUT habe ich mich  5 Wochen vorbereitet, in dieser Zeit lief ich 500 Kilometer inkl. 4000-8000 Höhenmetern pro Woche. Meine längste Einheit während dieser Phase war 45km und 2600 Höhenmeter.
Zur Abwechslung habe ich einige Rennrad Einheiten mit eingebunden, diese waren eher im regenerativen Bereich im Rahmen von 30-60 Kilometer pro Einheit.

Pre-Race

Freitag, 22.07.2017 Kaprun.
Ich wache auf und stelle fest, dass sich irgendwas im Rückenbereich seltsam anfühlt. Ein eingeklemmter Nerv? Genau was man braucht am Morgen eines Ultra-Trails! Ich schenke ihm nicht allzuviel Beachtung und versuche mit der Foamroll ein bisschen hineinzuarbeiten. Hilft nichts. Egal, spätestens einige Stunden im Rennen werde ich mich daran wohl nicht mehr erinnern können. Nach einem ausgiebigen Frühstück, begebe ich mich mit meinem Laufzeug zur Startnummernausgabe wo ich am Ausrüstungscheck 3 Stunden aushelfe und mich um diverse Anliegen der trailrunner kümmere. Spassfaktor war gegeben, im Zelt war es aber auch laut und heiß und somit war ich froh meine Schicht beenden zu können um etwas Ruhe zu finden und um mich auf meinen Vortrag + Aufbau von Beamer und Leinwand zu kümmern. Um 21:30 war alles unter Dach und Fach, somit ein letztes Mal ins Hotel, für das Rennen umziehen nochmal 15 min. abschalten und erneut zum Start/Ziel Gelände auf dem sich schon einige hundert Menschen eingefunden haben. Die Stimmung ist relativ ruhig, eine gewisse Anspannung liegt in der Luft, nur noch wenige Minuten bis zum Start..

Der Rennverlauf

Nachtstarts habe ich besonders gern, so kam mir auch die Startzeit des GGUT um 23:00 bei trockenen Verhältnissen entgegen. Wie in allen anderen Rennen auch, war  der Start des Rennens relativ schnell, ich habe mich davon aber nicht beirren lassen und so zog das vordere Drittel des Feldes dahin. Auch am ersten uphill auf Asphalt wurde fleißig gelaufen. In der darauf folgenden singletrail Sektion reihte ich mich brav ein und folgte dem langen Zug aus Stirnlampen schweigend durch die Finsternis. Immer wieder traten Läufer aus der Reihe, da viele bereits jetzt realisierten das ihr Anfangstempo wohl zu hoch war. Am ersten CP in Ferleiten (km23) war ich jedenfalls froh das es nun mit den laufbaren, flacheren Abschnitten des GGUT erstmal vorbei war. Auf Position 20 verpflegte ich mich rasch und nahm den weiteren Weg durch das Käfertal in Richtung Alpenhauptkamm in Angriff. Der Wind frischte ordentlich auf und ich bereitete mich für den langen Aufstieg zur Pfandlscharte auf 2600 Meter vor. Essen, Trinken, ein bisschen Auflockern  während dem Laufen und auf ging es der dunklen Wand entgegen.
Einige hundert Höhenmeter über mir flackerten immer wieder Stirnlampen auf. Am Aufstieg konnte ich  zu einigen Läufern aufschließen, ich wusste das ich meine Kräfte gut einteilen muss und die Sache locker angehen sollte, also achtete ich auf meine Atmung und setzte einfach einen Fuß vor den anderen bis ich zum Flachstück am Pfandlboden, der einer überfluteten Mondlandschaft gleicht wieder einige Laufschritte machen konnte. Zu meiner Verwunderung, fühlte sich das noch sehr locker in den Beinen an. Weiter ging es die letzten paar hundert Höhenmeter über ein gefrorenes Schneefeld auf die Scharte, auf der mich die Bergrettung mitten in der Nacht anfeuernd erwartete! Ich drehte mich kurz um und bestaunte das Schauspiel von hunderten Stirnlampen die sich im Anstieg und sogar noch weit unten im Tal befanden. Die Streckenposten haben einen schönen Pfad ins das Schneefeld der Pfandlscharte gegraben und so kam ich im vollen Schein meiner Lupine Piko gut in den Downhill  Richtung Glocknerhaus. Auch hier konnte ich wieder ohne große Mühen einige Plätze gutmachen. Am Glocknerhaus war es noch immer Stockfinster, ich füllte meine Tanks in einem kurzen Stop und weiter ging es hinunter zur Staumauer und den Anstieg zur Stockerscharte. Kurz vor der Scharte wurde es langsam hell und ich konnte einige Schafe in einem steilen Hang über mir beobachten. Am Weg zur Salmhütte stellte sich dann ein gewaltiges Morgenrot in den Wolken ein, schön anzusehen aber ein Indikator für schlechtes Wetter. Auf der Salmhütte füllte ich meine Flaschen erneut und machte mich am Weg zur Pfortscharte. Der sehr steile Anstieg zur Scharte, die mit 2800 Metern den höchsten Punkt des Kurses darstellt, war gewaltig und am Himmel zogen bereits sehr dunkle Wolken auf. Oben ging starker Wind und ich nahm auch Regentropfen war. Also nichts wie hinunter vom höchsten Punkt des GGUT. Die Bergretter oben auf der Scharte sind eindeutig die mutigeren 🙂
Das Schotterfeld hinunter machte richtig Spass, doch plötzlich erhellte sich der Himmel und unter einem gewaltigen Knaller schlug irgendwo hinter mir ein Blitz ein. Der Himmel öffnete seine Pforten noch weiter, ich nahm meine Beine in die Hand und zog während ich das Schotterfeld hinunterlaufe Jacke und Handschuhe an. Hardrock feeling garantiert!


Am Lucknerhaus hielt ich kurz um meine Schuhe zu entleeren und mir die Jacke wieder auszuziehen.
Hier schloss  die führende Dame Juliette Blanchet auf, mit der ich mich auf den Weiterweg nach Kals gemacht habe. Kals liegt über der Hälfte der Strecke, hat die größte Verpflegungsstation und auch mein Dropbag wartete dort auf mich. Ebenso meine Schwester und viele Freunde des GGUT Teams. Ich fühlte mich noch immer sehr gut, aß einige Löffel Suppe, nahm meine zweite Ration Gummi/Ingwer-Bärchen aus dem Dropbag und begab mich wieder auf den Weg durch das Dorfertal und weiter über den Kalser Tauern zur Rudolfshüttte.

Hier kam mir auch Flo Grasel entgegen und begleitete mich motivierender Weiße einige Meter, danke Flo!
Flo hielt mich auch über den Rennverlauf am laufenden und zu meiner Freude war ich mittlerweile auf Platz 7. Nicht wirklich wichtig, da ich bisher mein eigenes Rennen lief und mich nicht so sehr um Stände gekümmert habe, doch so spät im Rennen mit noch einiger Kraft doch auch motivierend. Ich wusste auch das die Leute vor mir um einiges stärker sind und machte mich nicht wirklich daran aufzuholen sondern versuchte lediglich weiterhin meine pace zu laufen. Der Aufstieg zum Kalser Tauern ging relativ langsam aber stetig voran, oben angekommen lief ich die flachen Passagen und den downhill zur Rudolfshütte und somit dem vorletzten CP des GGUT. Auch dort erwartete mich schon freudig das GGUT Team inkl. meinem Vater. Ich checkte nochmal meine Vorräte, stockte um einige Hammer Gels auf und weiter ging es zum letzen Punkt auf 2600 Meter dem Kapruner Törl! Davor musste ich noch über einige sehr rutschige Blockfeld abschnitte, vorbei an vielen 50 Kilometer Läufern die auf der Strecke mit Start in Kals unterwegs waren. Der Anstieg aufs Kapruner Törl war zwar von meiner Wahrnehmung her relativ langsam, ich konnte jedoch ohne Pausen mich Meter um Meter weiter hinaufschieben. Das Panorama wirkte wie gemalt und ich erfreute mich immer wieder dem Anblick. Der Ausblick auf die Stauseen Moorboden vom Törl war einfach gewaltig, auch einige Glockner-Trail 50k Läufer waren fasziniert davon und gönnten sich eine Pause am höchsten Punkt ihrer Strecke. Sie feuerten mich an und ich stürzte mich über die Blockfelder hinunter ins Schneefeld das mich in weiterer Folge dem See entlang zum letzten CP Moserboden führte. Mittlerweile war es richtig heiß, ich hielt nur kurz im mir einige Stücke Wassermelone zu gönnen, füllte mein Wasser auf und auf ging es in die letzten 15 Kilometer vorwiegend bergab. Natürlich spürte ich meine Oberschenkel schon einigermaßen, ich konzentrierte mich allerdings mehr aufs Laufen und auf meine Schrittsetzung als auf Schmerzen und so konnte ich den manchmal endlos scheinenden downhill auch bewältigen. Einige Abschnitte vor allem die singletrails nah am Stausee erforderten nochmals vollste Konzentration da sie sich unmittelbar am Abgrund  befinden.
Auf den letzten sieben, flachen Kilometern nach Kaprun konzentrierte ich mich nur noch auf das Laufen im flachen, es galt jetzt unter keinen Umständen stehenzubleiben und in ein Gehtempo zu verfallen. Auf den letzten Metern schloss mein Teamkollege Volker Sauerzapf zu mir auf und wir teilten uns den siebten Rang in 17h 18min. Im Ziel erwartete man offensichtlich schon Juliette Blanchet was uns ebenfalls einen stimmungsvollen Empfang einbrachte. Es war einfach ein genialer Tag in den Bergen!

Der GGUT war für mich ein voller Erfolg, die Strecke bietet alles was ein anspruchsvolles Trail-Rennen braucht, vom Hochgebirge mit Schneefeldern und Gletschern bis zu flowigen singletrails  + sehr guter Atmosphäre.

Ausrüstung & Ernährung

Lupine Piko Stirnlampe, Salomon 5L Laufweste + 2x500ml Ultrasphire Flaschen, Dynafit Shirt + Short, Wrightsocks, Hoka ONE ONE MafateII Schuhe, Black Diamond Carbon Z-Poles, Julbo Brillen, Patagonia Cap, div. Buffs, OR Handschuhe;

Tailwind Nutrition Drinkmix, Salt Stick Caps,  Hammer Gels, Gummi/Ingwer – Bärchen, Oreos, Bananen, Orangen, Wassermelonen, Red Bull Cola und jede menge Wasser;

 

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