Dalmacija Ultra-Trail 155km (SKY DUT) 2017

Vorbereitung

In der Vorbereitung bin ich über 5 Wochen einen Durchschnitt von 100 Kilometern + 5000 Höhenmetern/Woche gelaufen. Die längste Laufeinheit dabei war die Kreuzeck Traverse mit 60 km/4000hm. Ansonsten einige Bergtouren und Rennradfahrten, viele davon im regenerativen Bereich. Im wesentlichen galt es die Fitness aus dem Sommer mitzunehmen und im Vorfeld nicht mehr „zuviel“ zu tun. 2-3 mal pro Woche habe ich verschiedenen Core- und Mobiliätstrainings in das Training integriert. In der Rennwoche minimierte ich den Internetkonsum über Smartphone und Computer drastisch, das hilft mir dabei Fokus und Ruhe zu finden.

Das Rennen

Der Start erfolgte um 15:00 in der kleinen Altstadt von Omis bei bestem Laufwetter. Der Wettertrend wendete sich einem Tief zu, daher waren die Temperaturen im Vergleich zu den Vortagen angenehm, im Bereich von 20°C. Die Stimmung am Start war gut, ca. 80 Starter, darunter einige bekannte Gesichter warteten gespannt auf den Startschuss um die 155 Kilometer lange Strecke in Angriff zu nehmen.
Meine Strategie war es, dass Anfangstempo erstmal abzuwarten und gegebenenfalls zurückzustecken, ein Rennen dieser Länge, entscheidet sich schließlich selten am ersten Hügel und so ließ ich die Spitzengruppe um Marjan Zupančič erstmal ziehen. Ich fand mich am ersten Hügel an 5. Stelle mit Sichtkontakt auf 4. Der erste Abschnitt durch eine Schlucht hinaus aus Omis war landschaftlich schon mal vielversprechend!

 

Bei km vier verlief ich mich zum ersten Mal im Rennen. Ich verpasste eine Abzweigung und lief gerade aus weiter, bis es mir etwas seltsam vorkam, weder Läufer noch Markierungen zu sehen. Ich konnte eine Kreuzung in ca 150 Meter Entfernung erkennen und beschloss noch bis zu dieser zu laufen. Sollten dort keine Markierungen angebracht sein, bin ich garantiert falsch. So war es schließlich auch. Ich schaute noch einmal ganz genau, ob nicht vielleicht doch irgendwo ein Reflektorenband oder ein Hinweis am Boden angebracht ist. Danach drehte ich sofort um und vergewisserte mich während dem Zurücklaufen auf meinem Smartphone über den weiteren Streckenverlauf. Nach einigen hundert Metern retour sah ich bereits die Läufer in den richtigen Weg einbiegen. Die Stelle war ansich ausreichend markiert, wurde nur von mir übersehen. Meine fünfte Position war natürlich somit erstmal dahin, mittlerweile war sicher ein drittel des Feldes vor mir. Natürlich ärgerte ich mich über mich und lief darauf hin recht schnell um wieder aufzuholen. Andererseits wusste ich auch, dass ich so früh im Rennen genug Zeit habe und ich mich auch unter normalem Tempo wieder nach vorne arbeiten werde. Am ersten CP bei km 13 befand ich mich an siebenter Position, die Flaschen schnell aufgefüllt und weiter ging die Reise, immer wieder über schöne Küstentrails mit Meerblick.

Das anspruchsvolle Gelände erforderte allerdings ebenfalls ständige Aufmerksamkeit. Zwischen CP2 und CP3 ging es dann durch große von Waldbrand betroffene Gebiete auf großteils gut laufbaren trails und Forststraßen. Unvorstellbar welche Auswirkung wohl dieser Waldbrand auf die Siedlungen und Städte in diesem Gebiet gehabt haben muss, immer wieder laufe ich an abgebrannten Autowracks und Gräben vorbei, die das Feuer am Übergreifen auf Gebäude aufhalten sollten. Von der Rauchentwicklung ganz zu schweigen. Die schwarzen Stämme der Bäume und Sträucher, in Verbindung mit einem Sonnenuntergang, der den Himmel in einen kräftigen rot-orange Ton färbte, war jedenfalls eine sehr spezielle Kombination.


Ich freute mich jedenfalls auf die hereinbrechende Nacht, trotz der Tatsache das es erst in 13 Stunden wieder hell wird. Ich lief so lang wie möglich ohne Lampe, da ich erst beim CP mir die Zeit nehmen wollte mich auf die Nacht mit Stirnband, Ärmlingen und Lampe vorzubereiten. Dies resultierte darin, dass ich in einem dunklen Waldstück die Leuchtmarkierung übersehen habe und wieder einmal ein paar Meter falsch gelaufen bin…von nun an schwor ich mir Blödsinnigkeiten dieser Art einzustellen. Also Lampe auf!
Das weitere Tempo durch die Stadt Solin war relativ hoch, die beiden nachkommenden Läufer, am Ende Position 2 und 3 stoppten so gut wie nicht und tauschten nur die vom Betreuerteam mitgebrachten Flaschen aus. Ohne Crew dauert so ein Stop natürlich etwas länger, man will sich ja auch mit dem Personal am CP ein bisschen unterhalten. Mein Gefühl sagte mir auch, mich nicht zu sehr stressen zu lassen, dieses Rennen ist schließlich noch lang genug und ich fühlte mich nach gut 4o Kilometern frisch, also weiter ging es durch die Nacht.
Bei Km 73 bekam ich von Karin Fahrengruber die ihren Mann René betreute, ein für mich erfreuliches update zum Stand und Befindlichkeiten der anderer Läufer. Anscheinend war ich mittlerweile auf Platz 2. Dem führenden Slovenen Marijan  scheint es zur Zeit auch nicht sonderlich gut zu gehen. Für mich natürlich nicht unwesentlich, dennoch versuchte ich einfach in meinem eigenen Rennen zu bleiben und meiner Strategie und meinem Tempo treu zu bleiben. Jetzt übermotiviert die pace zu erhöhen könnte sich in einigen Stunden drastisch schlecht auswirken, also versuchte ich zwar schnell zu laufen aber immer mit bedacht noch etwas im Tank zu lassen. Mein nächstes Ziel war Gata bei km 85 ein Meilenstein für den Kopf, da mehr als die Hälfte geschafft + Dropbag aus dem ich mich neu versorgen konnte. In Gata angekommen erfreute ich mich an der guten Stimmung, die durch alle Anwesenden verbreitet wurde. Marijan ging es leider wirklich nicht gut, er lag mit Magenproblemen in der Horizontalen und sah nicht so aus, als ob er in nächster Zeit weiterlaufen würde. Ich suchte mir mein Dropbag, diese waren sortiert aufgereiht, schnappte mir einen Sessel und streute den Inhalt meines bags vor mir aus. Ich nahm mir nur meine Gels und einige andere Snacks, verzichtete auf neue Socken oder Schuhe, trank ein Coffeingetränk meines Vertrauens wärend Karin sich um die Befüllung meiner Flaschen kümmerte. Das sich Karin, die ich erst 10 km davor kennengelernt habe so gut um mich gekümmert hat, ist nicht selbstverständlich!

Ich wusste das ich diesen CP in Führung verlassen werde, wobei der Slovene Marko Prot auch nicht danach aussah als ob er sich lange aufhalten werde. Ich realisierte zum ersten Mal dieses Rennen womöglich gewinnen zu können, wusste aber, dass  die Euphorie darüber nicht zu stark werden dürfe um nicht zu schnell zu werden. Schließlich liegen noch über 70 Kilometer vor mir und irgendwann wird auch mich die Müdigkeit einholen in der ich all meine Kräfte brauche. Aber im Moment fühlte es sich einfach toll an, das meine Strategie so gut aufging und ich von nun an der erste im Feld war. Meine Aufmerksamkeit galt besonders den Markierungen und dem Untergrund. Jeder weitere Verlaufer, oder gar ein Sturz könnte sich sehr schlecht auf den weiteren Verlauf auswirken. Ich hoffte einfach auf das Vorhandensein der Markierungen. Irgendwann war es dann leider soweit. Keine Markierung mehr zu sehen! Nach gut 90 Kilometern, mitten in der Nacht im nirgendwo kein Traumszenario. Es gab drei Möglichkeiten, ich entschied mich für die Bergabvariante. Leider nichts, also schaute ich am Gps nach wo es denn weitergeht, was allerdings auf Grund von einigen Olivenhainen und diversen Möglichkeiten kreuz und quer nicht ganz ersichtlich war. Ich war jedenfalls falsch also wieder retour zur letzten Markierung. Beim Anstieg kam mir auch schon Marko Prot entgegengelaufen, wenigstens suchten wir nun zu zweit. Aber auch er hatte keine Ahnung. Der Richtung dem gpx track folgend, entschlossen wir uns für den Olivenhain doch nach einigen Metern standen wir vor einem Zaun! Kein Weg hier durch, also wieder retour. Dann konnten wir die Straße auf der sich die letzte Markierung befand nicht gleich wiederfinden was zur folge hatte das ich irgendwo Querfeldein durchs Dickicht bin und siehe da, im Schein meiner Lampe erkannte ich in eine Leuchtmarkierung! Ich schrie zu Marko der es wo anders versuchte hinüber, dass ich ziemlich sicher den richtigen Weg gefunden habe. Wir waren beide erleichtert und ich versuchte auch gleich bergab meinen verlorenen Vorsprung wieder herzustellen. Marko folge mir nicht lange und ging sein eigenes Tempo. Bei km 120 konnte man schon deutlich die Morgendämmerung ausmachen, ich war bereit endlich wieder Tageslicht zu sehen. 13 Stunden Dunkelheit sind doch etwas lange, so sehr ich das Laufen in der Nacht auch mag. Beim nächsten CP informierte mich Karin wieder über die Zwischenstände, anscheind hat Marko Probleme mit einem Fuß und überlegt auszusteigen. Erfreulich ist, dass es René bisher gut geht und sie ihn demnächst erwartet!

Der nächste Abschnitt war schwierig für mich, einerseits landschaftlich im ersten Morgenlicht wunderschön, ließ das Gelände für mich in großen Abschnitten aber nur gehen zu. Der Weg war sehr überwuchert, mit allen Arten von Gestein darunter, dass noch dazu von rutschigem Moos überwachsen war. Aber ich wusste, dass auch dieser Abschnitt vorübergehen wird  und tat einfach was ich kann, um halbwegs effizient vorwärts zu kommen. Es ging nochmal über einen Kamm auf dessen anderer Seite ein sehr steiler und technischer downhill wartete. Da ich wieder mal zu faul war mir meine Schuhe ordentlich zu binden, war dies ein relativ schmerzhaftes herumgerutsche aber ich wollte einfach nicht zwischen zwei Checkpoints stehenbleiben. Ab dem nächsten CP sollte es für die verbleibenden 21 Kilometer meist der Küste entlang zurück nach Omis gehen. Ich nahm mir die Zeit um meine Schuhe zu binden, meine Lampe gegen Laufkappe und Sonnenbrille zu tauschen und mich auf die letzten drei Abschnitte zu begegen. Ich war definitiv bereit für ein finish und lief alle flachen Abschnitte und moderate Anstiege sowie die vereinzelten downhills so gut ich noch konnte. Ich wußte das Marko und weitere Verfolger wohl nicht weit entfernt waren. Würde ich jetzt zu gehen beginnen wäre es wohl nur ein Spiel weniger Minuten um überholt zu werden, dies wollte ich natürlich mit allem was ich hatte vermeiden!
Doch mein Kampfgeist war nicht mehr all zu stark, ich befand mich ja auch noch nie in dieser Situation. Mir gelang es zumindest die durch Müdigkeit und des langen unterwegs sein, entstehenden negativen Gedanken auf die Seite zu schieben. Ein Zug von Psychoterror fuhr durch meinen Kopf doch ich sprang nicht auf! Ich konzentrierte mich rein auf all das, was noch perfekt funktionierte. Bis auf lädierte Zehen und einem interessanten Muskeltonus hatte ich eigentlich keine Probleme, mein Magen war perfekt, ich konnte noch immer Essen und Trinken, war klar im Kopf und befand mich in atemberaubender Landschaft am Ende eines anspruchsvollen Rennens mit einem Sieg vor Augen. Was konnte es also im Augenblick besseres geben?!

Ich lief einfach so viele Abschnitte wie möglich, auch wenn mich die Mittagshitze und abschnittsweise lange monotone Anstiege immer wieder zum gehen zwangen. Ich lief drei Markierungen und ging die nächste, dann lief ich wieder und so weiter. Den Aufenthalt in den CPs versuchte ich natürlich auf ein Minimum zu reduzieren, Wasser, Cola, eine halbe Banane, Weißbrot und weg war ich. Hier will ich auch den Betreuern an den CPs besonderen Dank aussprechen, die mich allesamt motiviert haben und mir stets halfen nach dem CP den richtigen Weg zu finden. Der erste Blick auf Omis, von den Bergen aus, war eine große Erleichterung. Ich wusste, dass es jetzt nicht mehr weit ist. Natürlich kamen mir einige Abschnitte dazwischen noch endlos vor, aber das ist normal. Ich versuchte einfach das Spiel zusammenzuhalten und effizient Meter für Meter abzuarbeiten. Irgendwann ging es dann hinunter in die Stadt. Über steile Abschnitte, Stufen und an angeleinten Hunden vorbei, bis ich unten am Gehsteig bereits hinüber ins Ziel sah. Ich drehte mich nochmal um und lief mit einem unbeschreiblichen Gefühl in Richtung der Ziellinie an der ich schon von Renndirektor und Team erwartet wurde. Unbeschreiblich! Ich hätte mir nie gedacht jemals ein Rennen zu gewinnen. Das dies dann noch ein beinahe 100 Meilen Rennen war, machte mich sehr zufrieden! Weiters sehr zufrieden stellte mich das kühle Bier im Ziel und das Empfangen der weiteren Läufer die nicht lange auf sich warten ließen.

Wer ein anspruchsvolles Trailrennen Ende Oktober sucht wird beim DUT auf vier verschiedenen Distanzen sicher fündig!

 

Ausrüstung

Meine Schuhwahl viel auf den Hoka Challenger ATR III der einfach perfekt war und für alle Arten von Gelände für eine sehr gute Wahl ist. Wrightsocks haben perfekt funktioniert, ohne Sockenwechsel, keine Scheuerstellen oder Blasen. Auf Grund der langen Nacht war auch das Licht durch die Lupine Piko gold wert. Dynafit Hose + Shirt, kein Scheuern, gute Belüftung, schnell trocknend.

Ernährung

Hammer Gels, Tailwind Drinkmix, Gummizeug, Oreos, Cola, Wasser,Weißbrot, Bananen, Orangen und zusätzlich Salztabletten.

 

Website Dalmacija Ultra-Trail
Official Timing

all photos (c) DUT/Jakov Kalajžić

 

 

2 Responses

  1. René

    Super Bericht!👍 Herzlichen Glückwunsch nocheinmal! 👏🏆

    1. November 2017 at 13:42

    • Matthias

      Danke René!

      8. November 2017 at 16:37

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